
Unfallversicherung InvaliditätGliedertaxe, Progression & Summen 2026
Dein Arm ist nach einem Sturz dauerhaft geschädigt. 40 Prozent Funktionsverlust. Was bedeutet das für deine Unfallversicherung? Hier erfährst du, wie der Invaliditätsgrad über die Gliedertaxe berechnet wird und warum die Progression so wichtig ist.
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Was ist Invalidität in der Unfallversicherung?
Invalidität bedeutet: Deine körperliche oder geistige Leistungsfähigkeit ist durch einen Unfall dauerhaft eingeschränkt. "Dauerhaft" heißt hier, dass die Beeinträchtigung voraussichtlich länger als drei Jahre bestehen bleibt.
Die Unfallversicherung deckt nur Unfälle ab, keine Krankheiten. Ein Bandscheibenvorfall beim Sport? Versichert, wenn er durch ein plötzliches Ereignis ausgelöst wurde. Arthrose, die sich über Jahre entwickelt hat? Nicht versichert.
Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) passieren rund 70 Prozent aller Unfälle in der Freizeit. Genau dort greift die gesetzliche Unfallversicherung nicht. Deshalb ist die private Unfallversicherung für viele die einzige Absicherung gegen dauerhafte Unfallfolgen. Wenn du dir unsicher bist, ob du überhaupt eine brauchst, schau dir unseren Ratgeber: Brauche ich eine Unfallversicherung? an.
Die Gliedertaxe: So wird dein Invaliditätsgrad festgelegt
Die Gliedertaxe ist eine Tabelle in deinem Versicherungsvertrag. Sie ordnet jedem Körperteil einen festen Prozentwert zu. Bei Verlust oder dauerhafter Funktionseinschränkung wird dieser Wert zur Berechnung der Invaliditätsleistung herangezogen.
Arme & Hände
- Arm70%
- Arm bis oberhalb Ellenbogen65%
- Hand55%
- Daumen20%
- Zeigefinger10%
- Anderer Finger5%
Beine & Füße
- Bein über Mitte Oberschenkel70%
- Bein bis unterhalb Knie60%
- Bein bis Mitte Unterschenkel50%
- Fuß40%
- Große Zehe5%
- Andere Zehen2%
Sinnesorgane
- Beide Augen100%
- Ein Auge50%
- Gehör beidseitig60%
- Gehör einseitig30%
- Geruchssinn10%
- Geschmackssinn5%
Wie wird bei Teilschäden gerechnet?
Nicht jeder Unfall bedeutet Komplettverlust. Häufiger sind Funktionseinschränkungen. Hier ein Rechenbeispiel:
Szenario: Dein Knie ist nach einem Skiunfall nur noch zu 50% beweglich.
Schritt 1: Gliedertaxe nachschlagen = Bein bis unterhalb Knie = 60%
Schritt 2: Funktionseinschränkung = 50%
Schritt 3: 60% x 50% = 30% Invalidität
Bei 100.000 EUR Grundsumme ohne Progression = 30.000 EUR
Die Gliedertaxe variiert je nach Versicherer. Premium-Tarife bieten oft höhere Werte, besonders für Schulter, Knie und Wirbelsäule. Beim Unfallversicherung Vergleich siehst du die Unterschiede.
Progression: Warum sie bei schweren Unfällen den Unterschied macht
Die Progression ist ein Hebel. Bei niedrigen Invaliditätsgraden (bis 25 Prozent) zählt nur die Grundsumme. Darüber steigt die Leistung überproportional. Sinnvoll, weil ein hoher Invaliditätsgrad meistens auch hohe Folgekosten bedeutet: Umbau der Wohnung, Pflege, Hilfsmittel.
Ohne
100.000 EUR Grundsumme
- 25%25.000€
- 50%50.000€
- 75%75.000€
- 100%100.000€
225%
100.000 EUR Grundsumme
- 25%25.000€
- 50%75.000€
- 75%150.000€
- 100%225.000€
350%
100.000 EUR Grundsumme
- 25%25.000€
- 50%100.000€
- 75%225.000€
- 100%350.000€
500%
100.000 EUR Grundsumme
- 25%25.000€
- 50%125.000€
- 75%300.000€
- 100%500.000€
Mindestens 225% Progression empfehlen wir dir. Das kostet im Schnitt nur wenige Euro mehr im Monat. Welche Unfallversicherung Kosten insgesamt auf dich zukommen, erfährst du in unserem Kostenüberblick.
Welche Invaliditätssumme solltest du wählen?
Für Erwachsene
3- bis 6-faches Bruttojahresgehalt als Grundsumme. Bei 40.000 EUR Gehalt: mindestens 120.000 bis 240.000 EUR. Mit 225% Progression hast du bei Vollinvalidität dann 270.000 bis 540.000 EUR.
Für Kinder
Mindestens 100.000 bis 150.000 EUR. Bei Kindern geht es weniger um Einkommensausfall. Dafür können Umbaukosten, Therapien und langfristige Betreuung anfallen. Eine Familien-Unfallversicherung deckt alle Familienmitglieder ab.
Mit Progression
Mit 225% Progression reicht eine niedrigere Grundsumme, weil bei schweren Unfällen die Leistung deutlich steigt. Wer sich die Versicherung leisten kann, sollte beides haben: hohe Grundsumme und Progression.
Ab wann zahlt die Unfallversicherung bei Invalidität?
Unfallereignis
Ein plötzliches, von außen auf den Körper einwirkendes Ereignis (Definition nach den Allgemeinen Unfallversicherungsbedingungen, AUB).
Dauerhafte Beeinträchtigung
Die körperliche Einschränkung besteht voraussichtlich länger als 3 Jahre.
Fristgerechte Meldung
Die Invalidität muss innerhalb von 15 Monaten nach dem Unfall ärztlich festgestellt und innerhalb von 18 Monaten beim Versicherer gemeldet werden.
Der Invaliditätsgrad wird in der Regel rund 12 Monate nach dem Unfall von einem Arzt festgestellt. Dein Versicherer kann einen eigenen Gutachter beauftragen. Bei Uneinigkeit wird ein unabhängiger Sachverständiger hinzugezogen. Die meisten guten Tarife zahlen bereits ab 1 Prozent Invalidität. Ob sich eine Unfallversicherung für dich lohnt, kannst du in unserem Ratgeber Unfallversicherung sinnvoll? nachlesen.
Invalidität vs. Berufsunfähigkeit: Der Unterschied
Diese zwei Versicherungen werden oft verwechselt. Sie schützen aber vor unterschiedlichen Risiken.
| Kriterium | Unfallversicherung | Berufsunfähigkeit |
|---|---|---|
| Auslöser | Nur Unfälle | Unfälle und Krankheiten |
| Leistung | Einmalzahlung (Kapital) | Monatliche Rente |
| Bewertung | Nach Gliedertaxe (körperlich) | Nach Berufsfähigkeit |
| Preis | Ab ca. 5 EUR/Monat | Ab ca. 30-80 EUR/Monat |
| Gesundheitsprüfung | Minimal oder keine | Umfangreich |
Ein Pianist verliert durch einen Unfall die Beweglichkeit in zwei Fingern. Nach der Gliedertaxe sind das vielleicht 10% Invalidität. Berufsunfähig ist er aber möglicherweise zu 100%, weil er seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Umgekehrt: Jemand verliert ein Bein, kann aber im Büro weiterarbeiten. Die Unfallversicherung zahlt eine hohe Leistung, die BU möglicherweise gar nichts. Beide ergänzen sich. Wer mehr darüber wissen will, findet im Ratgeber Lohnt sich eine Unfallversicherung? weitere Infos.
Worauf du beim Vergleich achten solltest
Hohe Werte besonders für Schulter, Knie, Wirbelsäule
Mindestens 225%, besser 350% oder 500%
Am besten ab 1% ohne Schwelle
Vorerkrankungen erst ab 50% angerechnet
Günstige Tarife findest du im günstigen Unfallversicherung Vergleich. Wer sich für Wintersport absichern will, sollte den Ski-Unfallversicherung Ratgeber lesen.
Häufige Fragen zur Invalidität in der Unfallversicherung
Wie wird der Invaliditätsgrad bei der Unfallversicherung berechnet?
Der Invaliditätsgrad ergibt sich aus der Gliedertaxe. Jedem Körperteil ist ein Prozentwert zugeordnet, zum Beispiel Arm 70%, Auge 50%, Daumen 20%. Bei Teilschäden wird der Gliedertaxe-Wert mit dem Grad der Funktionseinschränkung multipliziert.
Was ist die Gliedertaxe?
Die Gliedertaxe ist eine Tabelle im Versicherungsvertrag, die jedem Körperteil einen festen Invaliditäts-Prozentwert zuordnet. Je nach Anbieter fallen die Werte unterschiedlich hoch aus. Premium-Tarife bieten oft höhere Gliedertaxe-Werte als Standard-Tarife.
Was bedeutet Progression bei der Unfallversicherung?
Die Progression erhöht die Auszahlung bei hohen Invaliditätsgraden überproportional. Bei einer Progression von 225% und Vollinvalidität bekommst du statt der einfachen Grundsumme das 2,25-fache. Die Progression greift typischerweise ab 25% Invalidität.
Wie hoch sollte die Invaliditätssumme sein?
Fachleute empfehlen das 3- bis 6-fache des Bruttojahresgehalts als Grundsumme. Bei einem Gehalt von 50.000 EUR wären das 150.000 bis 300.000 EUR. Mit 225% Progression ergibt das bei Vollinvalidität 337.500 bis 675.000 EUR.
Ab welchem Invaliditätsgrad zahlt die Unfallversicherung?
Die meisten Tarife zahlen bereits ab 1% Invalidität. Manche günstigeren Tarife setzen eine Schwelle von 5 oder 10%. Achte beim Vergleich darauf, dass die Schwelle möglichst niedrig ist oder gar nicht existiert.
Wer bestimmt den Invaliditätsgrad nach einem Unfall?
Ein Arzt stellt den Invaliditätsgrad fest, in der Regel rund 12 Monate nach dem Unfall. Der Versicherer kann einen eigenen Gutachter beauftragen. Bei Uneinigkeit entscheidet ein unabhängiger Sachverständiger.
Was ist der Unterschied zwischen Invalidität und Berufsunfähigkeit?
Die Invalidität in der Unfallversicherung misst die körperliche Beeinträchtigung nach der Gliedertaxe, egal welchen Beruf du ausübst. Die Berufsunfähigkeit prüft dagegen, ob du deinen konkreten Beruf noch machen kannst. Beide Versicherungen ergänzen sich.
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Quellen: Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Allgemeine Unfallversicherungsbedingungen (AUB 2014), Verbraucherzentrale. Stand: 2026. Alle Angaben ohne Gewähr.