Teilkaskoversicherung: Was sie zahlt und wann sie reicht
Die Teilkaskoversicherung zahlt bei Diebstahl, Glasbruch, Wildunfall, Hagel, Brand und Marderbiss, also bei Schäden, für die du nichts kannst. Selbstverschuldete Unfälle und Vandalismus deckt nur die Vollkasko. Hier findest du alle Leistungen, die GDV-Schadenzahlen 2024 und die Stellschrauben für einen fairen Preis.
· CheckAlle Redaktion
Das Wichtigste in Kürze
- Freiwillige Ergänzung zur KFZ-Haftpflicht: deckt Diebstahl, Glasbruch, Wildunfall, Unwetter, Brand und Marderbiss
- Selbstverschuldete Unfälle und Vandalismus zahlt nur die Vollkasko
- Marktschnitt laut GDV: Haftpflicht plus Teilkasko rund 340 Euro im Jahr, reine Haftpflicht 256 Euro
- Keine Rückstufung in der Schadenfreiheitsklasse nach einem Teilkaskoschaden
- Häufigster Schaden: Glasbruch mit rund 2,2 Mio. Fällen pro Jahr (GDV 2024)
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Was deckt die Teilkasko ab?
Die Teilkaskoversicherung springt ein, wenn dein Auto durch äußere Ereignisse beschädigt wird. Sie ergänzt die KFZ-Haftpflicht, die nur Schäden bei anderen bezahlt.
Diebstahl
Fahrzeugdiebstahl, Teilediebstahl und Einbruchschäden. 2024 zählte der GDV 56.000 Teilentwendungen mit 116 Mio. EUR Schaden.
Glasbruch
Windschutzscheibe und alle anderen Scheiben. Mit rund 2,2 Mio. Fällen pro Jahr der häufigste Teilkaskoschaden überhaupt.
Wildunfall
Zusammenstöße mit Haarwild wie Reh oder Wildschwein. 276.000 Fälle und über 1,1 Mrd. EUR Schaden im Jahr 2024.
Naturereignisse
Hagel, Sturm ab Windstärke 8, Überschwemmung und Erdrutsch. 273.000 Fälle mit 940 Mio. EUR Schaden (GDV 2024).
Brand & Blitz
Fahrzeugbrand, Blitzschlag und Explosion. Auch Brandstiftung durch Fremde fällt hierunter.
Marderbiss
252.000 Fälle im Jahr 2024, im Schnitt 620 EUR pro Schaden. Gute Tarife decken auch Folgeschäden ab.
Der Sturmschutz greift laut den Musterbedingungen für die Kfz-Versicherung (AKB) ab Windstärke 8. Manche Tarife verzichten auf diese Grenze, ein Blick in die Bedingungen lohnt sich.
Steinschlag und Glasbruch: Reparatur oder Austausch?
Glasbruch ist mit Abstand der häufigste Teilkaskoschaden: rund 2,2 Millionen Fälle pro Jahr, für die die Versicherer 2024 fast 2 Milliarden Euro gezahlt haben. Rechnerisch sind das etwa 900 Euro pro Schaden. Ob dein Steinschlag repariert werden kann oder die Scheibe getauscht werden muss, entscheidet über deine Kosten.
Reparatur (oft ohne Selbstbeteiligung)
- Einschlag kleiner als 5 Millimeter
- Mindestens 10 Zentimeter vom Scheibenrand entfernt
- Nicht im Sichtfeld des Fahrers
- Dauert meist unter einer Stunde, in der Partnerwerkstatt oft ohne Eigenanteil
Austausch (mit Selbstbeteiligung)
- Risse jeder Art oder Einschlag ab 5 Millimetern
- Schaden am Scheibenrand oder im Sichtfeld
- Du zahlst deine vereinbarte Selbstbeteiligung, meist 150 Euro
Die Reparatur-Kriterien stammen vom ADAC: Als Sichtfeld gilt dabei grob der Bereich eines DIN-A4-Blatts vor dem Fahrer. Warte mit der Reparatur nicht zu lange. Temperaturschwankungen und Vibrationen machen aus einem kleinen Einschlag schnell einen Riss, und dann hilft nur noch der teurere Austausch.
Mit einem Riss im Sichtfeld solltest du gar nicht erst weiterfahren: Laut Bußgeldkatalog drohen 90 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg, außerdem fällt dein Auto damit durch die HU. Der Ablauf im Schadensfall ist simpel: Schaden fotografieren, Versicherung anrufen, nach einer Partnerwerkstatt fragen. Dort rechnet die Werkstatt direkt mit deinem Versicherer ab, und bei Reparaturen entfällt die Selbstbeteiligung in vielen Tarifen komplett.
Was die Teilkasko nicht zahlt
Selbstverschuldete Unfälle
Du rangierst gegen einen Pfosten? Das zahlt nur die Vollkasko. Die Teilkasko greift ausschließlich bei äußeren Ereignissen.
Grobe Fahrlässigkeit
Schlüssel steckt gelassen, Auto geklaut? Nach § 81 VVG darf der Versicherer die Leistung dann entsprechend der Schwere deines Verschuldens kürzen. Gute Tarife verzichten auf diesen Einwand, das Merkmal heißt im Vergleich "Verzicht auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit".
Zahlt die Teilkasko bei Vandalismus?
Nein, und das überrascht viele. Zerkratzter Lack, abgeknickte Antenne, zerstochene Reifen: Für mutwillige Beschädigungen durch Fremde kommt nur die Vollkasko auf. Der Grund liegt in der Logik der Teilkasko, die typische, kalkulierbare Naturgefahren und Diebstahl absichert, nicht menschliches Verhalten.
Zwei Dinge solltest du bei Vandalismus trotzdem wissen. Erstens die Ausnahme: Wird dein Auto angezündet, zählt das als Brandschaden, und Brand ist ein Teilkasko-Baustein. Zweitens: Erstatte bei Vandalismus immer Anzeige bei der Polizei. Ohne Anzeige reguliert auch die Vollkasko häufig nicht.
Alles zum Unterschied der beiden Kaskoarten und für welche Autos sich welche lohnt, zeigt unser Teilkasko-Vollkasko-Vergleich.
Teilkasko-Schäden in Zahlen
Die häufigsten Teilkaskoschäden in Deutschland im Jahr 2024:
| Schadensart | Fälle / Jahr | Gesamtschaden |
|---|---|---|
| Glasbruch | rund 2,2 Mio. | fast 2 Mrd. EUR |
| Wildunfall | 276.000 | über 1,1 Mrd. EUR |
| Elementarschäden | 273.000 | 940 Mio. EUR |
| Marderbiss | 252.000 | 157 Mio. EUR |
| Teilediebstahl | 56.000 | 116 Mio. EUR |
Quelle: GDV-Schadenstatistik 2024, u. a. zu Glasbruch, Wildunfällen und Marderschäden.
Teilkasko oder Vollkasko?
Kurz gesagt: Die Teilkasko steckt komplett in der Vollkasko drin. Die Vollkasko zahlt zusätzlich bei selbstverschuldeten Unfällen, Vandalismus und Fahrerflucht des Unfallgegners. Dafür kostet sie mehr, und nach einem selbstverschuldeten Schaden wirst du in der Schadenfreiheitsklasse zurückgestuft. Bei einem Teilkaskoschaden passiert das nicht.
Welche Kaskoart zu deinem Auto passt, hängt vor allem von Alter, Zeitwert und Finanzierung ab. Die ausführliche Entscheidungshilfe mit Rechenbeispielen findest du in unserem Teilkasko-Vollkasko-Vergleich.
Was kostet die Teilkaskoversicherung?
Ein Blick auf die Marktdurchschnitte hilft bei der Einordnung: Laut den GDV-Durchschnittswerten, die Finanztip aufbereitet (Stand 2025), kostet die reine KFZ-Haftpflicht im Schnitt rund 256 Euro im Jahr, Haftpflicht plus Teilkasko rund 340 Euro. Der Teilkasko-Baustein liegt im Marktschnitt also bei gut 80 Euro pro Jahr. Je nach Auto und Region kann dein Preis deutlich darüber oder darunter liegen.
Vier Faktoren bestimmen deinen Beitrag:
- Typklasse (10 bis 33): Jedes Modell hat eine eigene Teilkasko-Typklasse. Autos mit hoher Diebstahlquote oder teuren Teilen liegen höher. Die Einstufung des GDV ist für Versicherer übrigens unverbindlich, die aktuellen Werte findest du in unserem Typklassen-Ratgeber.
- Regionalklasse: Wo viel gehagelt oder gestohlen wird, kostet die Teilkasko mehr.
- Selbstbeteiligung: Eine höhere Selbstbeteiligung senkt den Beitrag. Gängig sind 150 Euro.
- Stellplatz: Garage oder Carport senken Hagel- und Marderrisiko und damit den Preis.
So sparst du bei der Teilkasko
- 1150 Euro Selbstbeteiligung wählen. Senkt den Jahresbeitrag spürbar und bleibt im Schadensfall tragbar.
- 2Werkstattbindung akzeptieren. Bei manchen Versicherern sinkt die Kasko-Prämie dadurch laut ADAC um 20 Prozent.
- 3Jährlich statt monatlich zahlen. Wer monatlich zahlt, zahlt drauf. Finanztip rät deshalb zur jährlichen Zahlung.
- 4Stellplatz angeben. Garage oder Carport drücken die Prämie.
- 5Tarife vergleichen. Bei gleichen Leistungen sind die Preisunterschiede erheblich. Zehn Minuten Vergleich reichen.
Wann reicht die Teilkasko, und wann nicht?
Ob Teilkasko für dein Auto die richtige Wahl ist, hängt vor allem vom Zeitwert und deiner Situation ab:
Zeitwert ab etwa 3.000 bis 4.000 Euro
Unsere Faustregel: Ab diesem Wert wäre ein Totalschaden durch Hagel oder Diebstahl ohne Teilkasko ein spürbares Loch in der Kasse.
Parken im Freien
Ohne Garage bist du Hagel, Sturm und Mardern deutlich stärker ausgesetzt.
Viel Landstraße
276.000 Wildunfälle pro Jahr sprechen für sich. Wer regelmäßig durch Wald- und Feldgebiete fährt, trägt ein deutlich höheres Risiko.
Neuwagen, Leasing, Finanzierung
Hier ist meist Vollkasko die bessere Wahl oder sogar Vertragspflicht. Prüfe deinen Leasing- oder Kreditvertrag.
Bei sehr alten Autos mit einem Restwert unter etwa 2.000 Euro reicht dagegen oft die reine Haftpflicht. Die ausführliche Rechnung: Ab wann lohnt sich welche Kasko?
Sonderfälle: Marderbiss, Wildschaden, Ausland
Marderbiss und Folgeschäden
Marder beißen in Kabel, Schläuche und Dämmmatten. Den direkten Bissschaden zahlt jede Teilkasko, im Schnitt kostete ein Marderschaden laut GDV zuletzt etwa 620 Euro. Richtig teuer wird es bei Folgeschäden, etwa einem überhitzten Motor wegen durchgebissener Kühlleitung. Die decken nur Tarife mit Folgeschäden-Baustein ab. Bei E-Autos gilt das besonders: Schäden an der Hochvolt-Verkabelung kosten schnell ein Vielfaches. Wenn du einen E-Scooter oder ein Elektrofahrzeug versicherst, lohnt der Blick auf diesen Baustein doppelt.
Erweiterte Wildschadenklausel
Der Standard deckt nur Haarwild ab, also Rehe, Hirsche und Wildschweine. Läuft dir ein Fuchs, eine Kuh oder ein Hund vors Auto, zahlt die Basisdeckung nicht. Tarife mit erweiterter Wildschadenklausel decken Unfälle mit Tieren aller Art ab, meist gegen einen kleinen Aufpreis. Beim Vergleich auf genau diese Formulierung achten: "Tiere aller Art".
Ausland und Ruheversicherung
Im europäischen Ausland gilt die Teilkasko in der Regel weiter, den genauen Geltungsbereich legen deine AKB fest. Die Grüne Karte hilft dir dabei übrigens nicht: Sie ist nur ein Haftpflicht-Nachweis. Und wenn dein Auto vorübergehend außer Betrieb gesetzt ist, läuft meist eine beitragsfreie Ruheversicherung weiter, die den Teilkasko-Schutz erhält. Beim Saisonkennzeichen passiert das außerhalb der Saison automatisch.
Häufige Fragen zur Teilkaskoversicherung
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Stand: 1. August 2026. Quellen: GDV-Schadenstatistik 2024, ADAC, Finanztip, Bußgeldkatalog, § 81 VVG.
