
Ökogas Vergleich 2026: Klimaneutrales Gas durch CO₂-Kompensation
Ökogas ist meistens normales Erdgas, dessen CO₂-Ausstoß über Klimaschutzprojekte ausgeglichen wird. Wie viel davon wirklich beim Klima ankommt, hängt von der Qualität der Zertifikate ab.
Das Wichtigste in Kürze
- Ökogas ≠ Biogas: Ökogas ist meist Erdgas plus CO₂-Zertifikat. Reines Biogas aus Biomasse findest du im Biogas Vergleich.
- Wirkung variiert stark: Eine Correctiv-Recherche (2024) zeigt: Bei 150+ Anbietern war die Klimaneutralität nicht überprüfbar.
- Verlässliche Zertifikate: Gold Standard (WWF), Verified Carbon Standard (VCS) und das Grünes Gas-Label setzen die strengsten Maßstäbe.
- Mehrkosten: Laut Finanztip meist 50 bis 250 € pro Jahr — je nach Tarif und Anteil.
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Was bedeutet „klimaneutrales Gas“ eigentlich?
Bei einem Ökogas-Tarif liefert dein Anbieter weiterhin Erdgas durch dieselbe Leitung. Der Unterschied liegt nicht am Brennstoff, sondern an einem Zusatz: Pro verbrannter Kilowattstunde kauft der Anbieter ein CO₂-Zertifikat. Mit dem Geld werden Klimaschutzprojekte finanziert — Aufforstung, Erneuerbare-Energien-Anlagen in Entwicklungsländern oder Methan-Vermeidung.
Das Umweltbundesamt nennt das die freiwillige Kompensation. Wichtig dabei: Kompensation steht in der Klima-Hierarchie an letzter Stelle. Erst vermeiden, dann reduzieren, danach kompensieren.
Das ist kein technischer Unterschied zum Erdgas, sondern ein bilanzieller. Beim Verbrennen in deiner Heizung entsteht genauso viel CO₂ wie bei jedem anderen Gas. Der Ausgleich passiert woanders auf der Welt.
Ist Ökogas wirklich klimaneutral?
Kurze Antwort: oft nicht so klimaneutral, wie es klingt. Die Correctiv-Recherche vom April 2024 hat 150 Anbieter geprüft, die ihr Gas als „klimaneutral“ verkaufen. Bei einem Großteil ließ sich nicht überprüfen, ob die Kompensationsprojekte zusätzliche Einsparungen bewirken. Manche Projekte wären auch ohne das Geld gelaufen.
Der Bundesgerichtshof hat 2024 entschieden: „Klimaneutral“-Werbung ist nur zulässig, wenn klar erklärt wird, wie die Kompensation läuft. Pauschale Versprechen ohne Quellenangabe sind irreführend.
Empfehlung der Verbraucherzentrale: Wer Klima wirklich helfen will, kombiniert besser. Erst Verbrauch senken (Dämmung, Raumtemperatur, kürzer duschen), dann auf Reststoff-Biogas wechseln — statt nur Zertifikate zu kaufen. (Quelle)
Welche Zertifikate sind vertrauenswürdig?
Nicht jedes Siegel hält, was es verspricht. Diese drei sind unter Experten am höchsten anerkannt:
| Zertifikat | Wer steckt dahinter | Was es prüft |
|---|---|---|
| Gold Standard | WWF-Initiative, seit 2003 | Zusätzlichkeit, Nachhaltigkeit, soziale Wirkung |
| Verified Carbon Standard (VCS) | Verra, internationaler Standard | Messbarkeit und Dauerhaftigkeit der CO₂-Einsparung |
| Grünes Gas-Label | Initiative Umweltverbände (DE) | Min. 10 % echtes Biogas + Energiewende-Investition |
Kritisch sehen
TÜV-Zertifikate prüfen oft nur die Herkunft, nicht die Klimawirkung. Eigene „Klimaneutral“-Siegel ohne unabhängige Prüfstelle sind ein Warnsignal.
Praxis-Tipp
Frag konkret nach Projekt-ID, Standort und Prüfbericht. Wer dir das nennen kann, hat verlässliche Kompensation. „Weltweit“ oder „verschiedene Projekte“ ohne Details — eher vorsichtig sein.
Anbieter im Überblick
Ein paar Anbieter, die im DACH-Raum aktiv sind. Die Auswahl ändert sich öfter — der Tarifrechner oben zeigt dir die aktuell verfügbaren Tarife für deine PLZ.
- Polarstern — 100 % echtes Biogas plus Klimaschutzprojekte, Grünes Gas-Label
- Naturstrom — Reststoff-Biogas, eigene Anlagen in Deutschland
- LichtBlick — flexible Biogas-Anteile (5–100 %), gemischte Quellen
- ENTEGA — Ökogas mit CO₂-Kompensation, Klimaprojekte teils über Gold Standard
- Greenpeace Energy / Green Planet Energy — strenge Reststoff-Pflicht
- Grünwelt Energie — günstigere Ökogas-Tarife, Kompensation über internationale Projekte
Stiftung Warentest hat 2025 nachhaltige Gasanbieter geprüft. Wer eine externe Einordnung sucht, findet im Heft-Test-Bericht vergleichbare Daten.
Lohnt sich Ökogas — oder lieber Biogas?
Das hängt davon ab, was du erreichen willst.
- Echter Klimaschutz im Vordergrund: Geh auf reines Biogas, am besten aus Reststoffen (Gülle, Bioabfall). Der Mehrpreis ist höher, die Wirkung ist aber messbar und passiert in Deutschland.
- Kompromiss aus Preis und Wirkung: Ein Tarif mit hohem Biogas-Anteil plus zertifizierter CO₂-Kompensation für den Rest ist eine vernünftige Mitte. Achte auf Gold Standard oder VCS.
- Preis steht stärker im Fokus: Vergleich erst mal die aktuellen Gaspreise. Manche reinen Erdgas-Tarife sind günstiger als die Grundversorgung. Ein Wechsel ist in 10 Minuten erledigt.
- Bald Wärmepumpe oder Fernwärme geplant: Bind dich nicht mit langer Laufzeit an einen teuren Ökogas-Tarif. Der Vergleich Wärmepumpe vs. Gasheizung hilft bei der Entscheidung.
In 4 Schritten zum Ökogas-Tarif
- 1
PLZ und Jahresverbrauch eingeben
Der Vergleichsrechner oben zeigt dir verfügbare Tarife
- 2
Filter aktivieren
„Ökogas“ oder „klimaneutral“ — nach Biogas-Anteil sortieren
- 3
Zertifikat prüfen
Gold Standard, VCS oder Grünes Gas-Label bevorzugen
- 4
Online abschließen
Kostenlos, ohne Versorgungsunterbrechung — der neue Anbieter kündigt den alten
Keine neue Heizung nötig: Biogas und klimaneutrales Erdgas sind technisch identisch mit normalem Erdgas — die Lieferung läuft über das gleiche Gasnetz.
Häufige Fragen zu Ökogas
Was ist der Unterschied zwischen Ökogas und Biogas?
Ökogas ist ein Sammelbegriff. Er umfasst zwei Varianten: Biogas (echte Biomasse aus Gülle, Bioabfall, Energiepflanzen) und klimaneutrales Erdgas (normales Erdgas plus CO₂-Zertifikat). Diese Seite konzentriert sich auf die Kompensations-Variante. Für echte Biomasse ist der Biogas Vergleich der bessere Startpunkt.
Ist klimaneutrales Erdgas wirklich klimaneutral?
Beim Verbrennen entsteht genauso viel CO₂ wie bei jedem anderen Erdgas. Die Klimaneutralität entsteht rechnerisch durch CO₂-Zertifikate für Klimaschutzprojekte. Wie gut diese Projekte wirken, hängt vom Anbieter ab. Correctiv hat 2024 viele Anbieter geprüft und fand bei 150+ Tarifen keine überprüfbare Kompensation.
Welches Zertifikat ist am verlässlichsten?
Der Gold Standard (WWF-Initiative) und der Verified Carbon Standard (VCS) gelten als am strengsten. Beide prüfen, ob Klimaprojekte zusätzlich sind und ob die CO₂-Einsparung tatsächlich passiert. Für Tarife mit echtem Biogas-Anteil ist das Grünes Gas-Label aussagekräftig.
Was kostet Ökogas im Vergleich zu Erdgas?
Laut Finanztip liegt der Aufpreis je nach Tarif und Biogas-Anteil meist bei 50 bis 250 € pro Jahr für einen Durchschnittshaushalt mit 15.000 kWh Verbrauch. Reines 100-Prozent-Biogas ist deutlich teurer (Details im Biogas-Vergleich).
Muss ich für Ökogas die Heizung wechseln?
Nein. Biogas und klimaneutrales Erdgas sind technisch identisch mit normalem Erdgas. Du wechselst nur den Vertrag, nicht die Geräte. Die Lieferung läuft über das normale Erdgasnetz.
Kann ich Ökogas mit jedem Anbieter beziehen?
Die meisten großen Versorger bieten Ökogas-Tarife an. Spezialanbieter wie Polarstern, Naturstrom oder Greenpeace Energy haben oft strengere Kriterien (Reststoff-Pflicht, Grünes Gas-Label). Der Tarifrechner oben zeigt dir alle verfügbaren Optionen für deine PLZ.
Ist der Wechsel zu Ökogas kompliziert?
Nein. Du gibst PLZ und Verbrauch ein, wählst einen Tarif, gibst deine Daten an, und der neue Anbieter erledigt den Rest — inklusive Kündigung beim alten Versorger. Die Versorgung wird nicht unterbrochen. Der Wechsel ist kostenlos.
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